Ein Prinz, der hält was er verspricht! von Simon Reber

Videospielverfilmungen haben eine bezeichnende Gemeinsamkeit: Sie sind alle schlecht. Punkt. Gründe gibt es viele: Es liegt an den untalentierten Regisseuren, wie etwa dem bärbeissigen Teutonen Uwe Boll, die in der Fundgrube an potentiellen Filmideen, Videospiellizenzen als carte blanche betrachten – alles ist erlaubt! Aber bitte keine halbwegs originell anmutende Story. Dann schon eher übertriebene Explosionen, sinnlose Gewalt und dröge Oneliner. Es liegt aber auch daran, dass diejenigen, die sich einer solchen Videospieladaption annehmen, meistens keinen blassen Schimmer haben, worum es denn im zu verfilmenden Spiel überhaupt geht. Bestes Beispiel hierfür ist die Super Mario Filmumsetzung aus dem Jahre 1993 mit Bob Hoskins und Dennis Hopper. Denn ausser einzelnen Charakteren hatte dieser nun mal gar nichts mit dem Mario Universum zu tun. Und so fristet der Film nun ein armseliges Dasein in den Top Five der schlechtesten Filme aller Zeiten. Als abschreckendes Beispiel, wie man sich nicht an eine beliebte Franchise nähern sollte. Hat es genützt? Leider nein.

Videospielverfilmungen sind aber auch deshalb schlecht, weil ich der Meinung bin, dass sich das Medium an sich nicht für abendfüllende Spielfilme eignet. Klar, in der Zeit, wo selbst Brettspiele wie Monopoly und sich selbst transformierende Roboter einen Film spendiert bekommen, scheint eine Videospieladaption doch ein Klacks! Denkste. Die Fülle an horrend schlechten Adaptionen malt da ein ganz anderes Bild. Das Problem mit Videospielen ist, dass sie keine mitreissenden Geschichten erzählen. Sie gehen nicht ans Herz. Sie erzeugen keine Spannung. Man lebt nicht mit. Liegt es an der Technik, die noch nicht erlaubt, dass solche Geschichten erzählt werden? Oder liegt es vielleicht an den Spielern selbst, die gar keine Geschichte erzählt haben möchten und stattdessen lieber zum x-ten Mal in einem apokalyptischen Ödland auf Zombiejagd gehen? Doch es gibt Hoffnung. Uncharted, ein Action Spiel im Stile der Indiana Jones Filme, vermochte erstmals eine einigermassen akzeptable Story zu erzählen und für Spannung zu sorgen! Noch ist also nicht aller Tage Abend. Ich male ein äusserst schwarzes Bild. Dies ist mir durchaus bewusst. Doch ich kann nicht anders, angesichts solcher Videospielumsetzungen wie Resident Evil, Silent Hill, Dungeon Siege, Postal, Final Fantasy oder die animierten Pokemon Filme. Schwarz ist da leider noch nicht dunkel genug.

Und dann sah ich den ersten Trailer zu Prince of Persia: The Sands of Time – meine Meinung änderte sich schlagartig. Es gibt es also doch, das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels. Ein Film, der es schaffen könnte, all die vergangenen abstrusen Videospieladaptionen vergessen zu lassen. Prince of Persia: The Sands of Time, der von Jerry Bruckheimer produziert wird und bei welchem Mike Newell Regie führt soll nächsten Sommer weltweit in den Kinos starten. Manche mögen nun laut aufschreien und behaupten, dass auch dieser Film nichts anderes als eine hoch budgetierte filmische Katastrophe darstellt. Und wenn ich es mir so recht überlege, bin ich der Einzige in meinem unmittelbaren Umfeld, der sich auf den Film freut und ein schlummerndes Potential im Film erspäht. Vor allem deshalb, weil Prince of Persia bewusst versucht, all die offensichtlichen Punkte, die bis anhin allen Videospieladaptionen zum Verhängnis wurden, elegant zu umschiffen.

Mike Newell (Donnie Brasco, Four Weddings and a Funeral). Jerry Bruckheimer (Pirates of the Caribbean, The Rock). Jake Gyllenhaal (Jarhead, Brokeback Mountain). Gemma Arterton (Quantum of Solace). Betrachtet man diese Liste an illustren Namen, so ist Hoffnung berechtigt. Führt man sich den Trailer zu Gemüte, so wird es auch demjenigen, der noch nie von der Prince of Persia Videospielserie (und ich vermute, so wird es einigen gehen) gehört hat, warm ums Herz. Denn Newells Film verspricht eine abenteuerliche Räubergeschichte, gewürzt mit einer saftigen Prise Humor, eine märchenhafte Liebe, orientalische Schauplätze, massenhaft Action und Schlachten sowie eindrückliche Special Effects. Vor allem aber scheint zum ersten Mal die Stimmung, die Atmosphäre eines Spieles nicht verloren gegangen zu sein - der Prinz im Film ist der Prinz im Spiel. Gut so! Ob sich dies jedoch auch im ganzen Film bewahrheiten wird und nicht nur in den trügerischen zwei Minuten des Trailers, wissen wir im nächsten Sommer!

24.11.09 Simon Reber Drucken E-Mail Kommentare [0]
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