Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los (2009) / USA
Regie: Carlos Saldanha
Drehbuch: Peter Ackerman, Michael Berg
Schauspieler: Eunice Cho, Karen Disher, Harrison Fahn, Maile Flanagan, Jason Fricchione, Bill Hader, Kelly Keaton, Joey King, Queen Latifah, Denis Leary, u.a.
Laufzeit: 94 Minuten
Start CH: 01.07.2009
Verleih: 20th Century Fox
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Familienausflug in die Eiszeit von Severin Auer

Wer bereits die beiden ersten Teile der Eiszeit-Reihe genossen hat, wird von diesem dritten Anlauf nicht enttäuscht. Dank der 3D-Effekte wirkt der Film besonders actionreich, überzeugt entsprechend aber auch weniger mit der Handlung, dafür aber mit der Technik.

 

Fortsetzungen haben nicht immer einen leichten Stand und gerade bei Zeichentrick- und Animationsfilmen steht ein zweiter Teil selten unter einem guten Stern. Selbst Urzeit-Pendant In einem Land vor unserer Zeit (Land before time, 1988) wurde nach dem erfolgreichen Debüt auf der grossen Leinwand, nur noch für das Heimkino fortgesetzt. Entsprechend ist das Flaggschiff des Blue Sky Studios so etwas wie eine Ausnahme. Ice Age lockt das schwitzende Publikum bereits zum dritten Mal zur Sommerzeit ins klimatisierte Kino und verspricht Eis, Schnee und gute Laune. So richtig frostig wird es im neuesten Abenteuer aber nie.

Das Mammut Manni und seine Freundin Ellie erwarten Nachwuchs und bereiten sich auf die Geburt vor. Faultier Sid hegt ebenfalls Elterngefühle und sorgt warmherzig für drei scheinbar verlassene Eier. Seine Freunde ahnen bereits, dass sich hinter der Schale nichts Gutes verbergen kann und versuchen den Tollpatsch von seinem Vorhaben abzubringen. Erfolglos. Bald darauf schlüpfen Tyrannosaurier-Babys mit riesigem Kiefer und scharfen Zähnen. Doch statt gefährlichem Gebrüll gibt es erst einmal eine Runde Gruppenkuscheln mit Faultier Sid, das sie sofort als ihre Mutter anerkennen. Probleme gibt es erst bei der Nahrungssuche, denn Sid versucht die Fleischfresser vegetarisch zu erziehen. Das sieht die echte Mutter – ein ausgewachsener Tyrannosaurus Rex - aber überhaupt nicht gerne. Sie fordert wütend ihre Kinder zurück und verschleppt den sich sträubenden Sid tief unter die Eisdecke. Dort unten verbirgt sich eine tropische, längst „verlorene Welt“, in der langhalsige Brachiosaurier saftiges Grünzeug von den Bäumen rupfen und hungrige Raptoren ihre Beute jagen. Manni, Ellie und Diego haben die unschönen Ereignisse mitbekommen und versuchen das Faultier zu retten. Auf ihrem Abenteuer schliessen sie Freundschaft mit einem ortskundigen Piraten-Wiesel, das sie vor fleischfressenden Pflanzen und gefährlichen Saurier-Arten beschützt. Währenddessen entwickelt das nimmermüde Eichhörnchen Scrat feurige Gefühle für eine weibliche Artgenossin.

Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los verlässt die Identitätsfindung des Vorgängers und widmet sich ausgiebig dem Geschlechterkampf. Die belanglose Geschichte wird durch gelungene Einzelszenen zusammengehalten und weiss trotz der stereotypen Charaktere zu unterhalten. Zum Brüllen komisch oder richtig spannend ist der Film aber auf keinen Fall. Er ist darauf ausgelegt, die Möglichkeiten des 3D-Kinos auszukosten und funktioniert dementsprechend besonders als Attraktionskino. Rutschpartien, Dinosaurier-Flüge und wilde Verfolgungsjagden in Videospiel-Ästhetik involvieren den Zuschauer enorm, sind dabei aber nicht mehr als gekonnte Effekthascherei. Der rote Faden wird zwar nicht ganz ausgeblendet, verblasst aber zunehmend neben der mit hohem Schnitttempo erzählten „Achterbahnfahrt“. Als Highlight ist einzig Scrat das Eichhörnchen zu erwähnen, das die Macher erneut wie Sisyphos dieser einen Eichel nachjagen lassen. Echte Gefühle entwickelt der Zuschauer nur in diesen eingeflochtenen (Zwischen-)Sequenzen. In diesem dritten Teil taucht auch noch eine Gegenspielerin auf und Scrat brettert nicht nur ungebremst - wie einst Koyote bei den Looney Tunes -  in die Tiefe, die reizvolle Dame kämpft auch noch mit harten Bandagen und ist ihrem männlichen Gegenüber – wie Road Runner - immer einen Schritt voraus.

Mit Ice Age 3 gibt es entsprechend nicht nur sprichwörtlich etwas aufs Auge. Die 3D-Brille ermöglicht erst die tief scharfen Bilder, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass gerade der Geschichte, trotz Abstieg in die eisfreie Unterwelt, eben jener Tiefgang fehlt. Empfehlen kann sich besonders das Blue Sky Studio, das mit diesem Film die Animationen weiter verfeinert hat und den Einsatz der 3D-Effekte eindrücklich meistert. Ein Familienausflug ist der dritte Eiszeit-Teil auf jeden Fall wert, wobei besonders die Kinder auf ihre Kosten kommen.

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09.07.09 Severin Auer Drucken E-Mail Kommentare [0]
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