New York, I Love You (2009) / Frankreich, USA
Regie: Yvan Attal, Allen Hughes, Shunji Iwai, Wen Jiang, Scarlett Johansson, Joshua Marston, Mira Nair, Natalie Portman, Brett Ratner, Andrei Zvyagintsev
Drehbuch: Emmanuel Benbihy, Fatih Akin, Yvan Attal, Alexandra Cassavetes, Hu Hong, Shunji Iwai, Olivier Lécot, Joshua Marston, Suketu Mehta, Yao Meng, Anthony Minghella, Jeff Nathanson, Natalie Portman, Stephen Winter, Andrei Zvyagintsev
Schauspieler: Shia LaBeouf, Blake Lively, Christina Ricci, Natalie Portman, Hayden Christensen, Orlando Bloom, Anton Yelchin, Rachel Bilson, John Hurt, Kevin Bacon, Ethan Hawke, Robin Wright Penn, Olivia Thirlby
Laufzeit: 110 Minuten
Start CH: 17.09.2009
Verleih: Ascot Elite
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Der Big Apple im Zeichen der Liebe von Daniel Paredes

Mit der Beteiligung von elf RegisseurInnen ist auch der zweite Film der Reihe „Cities We Love“ ein unterhaltsamer Kurzausflug in eine der grossen Metropolen dieser Welt geworden. Trotz dem unkonventionellen Entstehungsprozess entwickelt der Film als Ganzes eine erstaunliche Eigendynamik und ist ein sehenswertes Beispiel des „collective filmmaking“.

 

Paris, je t`aime war eine Kompilation aus mehreren Filmsegmenten, unterschiedlicher Regisseure und Darsteller. Eine cineastische Liebeserklärung an die Stadt der Liebe. Mit New York, I Love you hat man dieses aufgehende Konzept nun fortgesetzt. Hatte Paris, je t`aime noch Zugpferde wie Gus Van Sant, Wes Craven oder die Coen Brothers, die den Pariser Quartiers ihren künstlerischen Stempel aufdrückten, sind es in New York visionäre Filmemacher aus aller Welt: Fatih Akin, Yvan Attal, Randall Balsmeyer, Allen Hughes, Shunji Iwai, Jiang Wen, Shekhar Kapur, Joshua Marston, Mira Nair, Natalie Portman und Brett Ratner. Obwohl sich die in ihrer Anzahl reduzierten Beiträge in der Machart unterscheiden, bleiben ganz ausgefallene Segmente wie die Pariser Vampir-Episode „Quartier de la Madeleine“ leider aus. Dafür wirkt der Film geschlossener, Figuren treten im späteren Verlauf des Films erneut auf und Handlungsstränge sind durch schicksalhafte Begegnungen miteinander verknüpft, so dass trotz der Vielzahl an Regisseuren eine spürbare Dynamik entsteht.

Für das Funktionieren des Konzepts ist erneut Produzent Emmanuel Benbihy verantwortlich. Er gab den elf Regisseuren einen strengen Zeitplan vor: In insgesamt acht Wochen hatte jeder Regisseur mit seinen ausgewählten Darstellern nur zwei Tage Zeit für den Dreh. Danach blieben sieben Tage im Schneideraum, um den Film fertig zu stellen, während der nächste Regisseur bereits eingeflogen wurde und zu drehen begann. Diese logistischen Schwierigkeiten spürt man dem Erzählfluss des Films kaum an. Ebenso tragen auch die relativ freien Vorgaben bezüglich dem Inhalt - jede Story musste sich visuell einem New Yorker Viertel widmen, eine Liebesbegegnung im weitesten Sinne thematisieren und sowohl am Ende als auch am Anfang durfte nicht schwarz ausgeblendet werden – nicht zum Unterbruch bei.

Um dem Film nun diesen nahtlosen Charakter einzuverleiben, wurde Randall Balmayer, einer der elf Regisseure, für die Übergangsszenen zwischen den Episoden beauftragt. Seine Episode ist daher die einzige, die nicht an ein bestimmtes Viertel gebunden war und sich wie ein roter Faden durch den Film zieht. Sie handelt von einer jungen Französin (Emelie Ohana), die als Video-Künstlerin die Stadt in Bildern einfängt und dabei den Figuren der anderen Episoden begegnet. Mit diesem Übergangs-Segment wird im Epilog schliesslich das Vereinen der einzelnen Geschichten möglich.

Eine der schönsten Episoden ist Joshua Marston (Maria Full of Grace) zu „Brighton Beach“ gelungen. Ein altes Ehepaar (Eli Wallach und Cloris Leachman) bewegt sich zu Fuss quer durch die Stadt. Angepeitscht durch gegenseitige Sticheleien, schleppen sie sich mit ihren morschen Körpern mühselig ihrem Ziel entgegen, um sich dann in einem kurzen Moment melancholischer Ruhe und trauter Zweisamkeit in den Armen zu liegen. Ein jugendlicher Störfaktor zieht die beiden aber allzu bald in die gebrechliche Realität zurück - und sie treten ihren Rückweg an. Die Episode fällt auf durch ihre Gradlinigkeit und die gemächliche Ruhe, welche die Inszenierung den beiden Protagonisten zugesteht. Marston ist ein kleines aber herzerwärmendes Plädoyer für alte Menschen in der Grossstadt geglückt.

Insgesamt ist das Verhältnis zwischen jungen (Rachel Bilson, Orlando Bloom, Natalie Portman) und alten Stars (Eli Wallach, Julie Christie, James Caan) aber auch solchen dazwischen (Andy Garcia, Robin Wright Penn, Maggie Q) sehr ausgeglichen. In der Episode von Shekhar Kapur (Elizabeth), angesiedelt in der Upper Eastside, treffen zwei Generationen aufeinander: Julie Christie spielt eine alternde Sängerin; eine Diva die sich in einem Luxushotel ein Zimmer mietet und mit einem gehbehinderten jungen Pagen, gespielt von Shia LaBeouf, Bekanntschaft schliesst. Auch John Hurt, als Eigentümer des Hotels, hat in dieser mysteriösen Episode, die zwischen Realität und Einbildung pendelt, seinen Auftritt. Auffallend durch übertrieben helle Farben und die erdrückend anmutende Stimmung, handelt es sich um die visuell experimentierfreudigste Episode.

Auffallend beschwingt hingegen ist Yvan Antals Beitrag: Mit Richard Linklaters „Grossstadt-Filmen“ Before Sunrise und Before Sunset feierte Ethan Hawke zwei seiner grössten Erfolge. Dass er hier erneut in einem Stadtfilm mitspielt, ist eine gelungene Hommage an sich selbst. Tatsächlich scheint er eine ältere Version des US-Touristen Jesse zu sein; nur eben älter, verzweifelter und draufgängerischer. Er verliert keine Zeit und bezirzt seine Dame der Wahl gleich mit grossen Worten: „Ein intimer Moment“ sei es gewesen, meint er, nachdem er ihre Zigarette vor einem Restaurant in Soho angezündet hat. Ein guter Annäherungsversuch. Trotz ihrer misstrauischen Haltung, lässt er keinen verbalen Versuch aus, sie von seiner überdurchschnittlichen Fähigkeiten als Liebhaber zu überzeugen. Als die Dame ihm aber ihr Geheimnis anvertraut, ist er plötzlich sprachlos.

Obwohl sich die Pointen teils frühzeitig abzeichnen, besitzen die Episoden allesamt ihren Reiz und bieten auch in der Themenwahl einen guten (Gefühls-)Mix: Amouröse Taxifahrten; ein Taschendieb, der seinen Meister findet; ein Junge, den ein Mädchen im Rollstuhl zum Abschlussball begleitet; ein Komponist, der sich in die Stimme seiner Agentin verliebt; ein interkultureller Flirt im Diamantenviertel; eine auffällige Vater-Tochter-Beziehung im Central Park und ein verzweifelter Maler, der seiner Muse in Chinatown begegnet. Das kreative Projekt „Cities We Love“ hat mit seinem zweiten Film einen kurzweiligen, überwiegend lebensfrohen Beitrag geschaffen, und bietet dank des Kollektivs an Filmemachern abwechslungsreiche Perspektiven auf eine der aufregendsten Städte weltweit. Man darf sich also auf weitere filmische Stadtbesichtigungen im Kino freuen: Rio und Shanghai 2010, Jerusalem und Mumbai 2011.
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17.09.2009 Daniel Paredes Drucken E-mail Kommentare [0]
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