Prince of Persia: The Sands of Time (2010) / USA
Regie: Mike Newell
Drehbuch: Doug Miro & Carlo Bernard
Schauspieler: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Alfred Molina, Ben Kingsley, Toby Kebbell, Richard Coyle, Reece Ritchie, u.a.
Laufzeit:
Start CH: 20.05.2010
Verleih: Walt Disney Studios
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Persische Nächte von Simon Reber

Jerry Bruckheimers Umsetzung des Videospielklassikers soll das neue Pirates of the Caribbean werden: actionreich, humorvoll und ein finanzieller Erfolg! Das persische Märchen vermag dem grossen Vorbild gerecht zu werden und steht ganz in der Tradition des klassischen Abenteuerfilms. Althistoriker mögen dabei zwar die Nase rümpfen, alle anderen aber freuen sich über den draufgängerischen Prinzen Dastan und seine selbstbewusste Gefährtin, Prinzessin Tamina.


Ein Märchen wie aus 1001 Nacht: Der Waisenjunge Dastan (Jake Gyllenhaal) wird vom König höchstpersönlich von der staubigen Strassen in den prunkvollen Palast geholt, wo er fortan an der Seite von zwei Brüdern, als Prinz von Persien teil der Familie ist. Sein behütetes Leben kommt zu einem abrupten Ende als der König vergiftet wird und alle Indizien dafür sprechen, dass er der Mörder ist. Zusammen mit der bildschönen und selbstsicheren Prinzessin Tamina (Gemma Arterton), ihrerseits Hüterin des „Sandes der Zeit“, ist Dastan zur Flucht gezwungen – lediglich mit einem rätselhaften Dolch bewaffnet. In den Dünen Persiens schwört er den wahren Mörder ausfindig zu machen. Tamina ist dabei keine grosse Hilfe, denn sie verfolgt ganz andere Pläne: Mit allen denkbaren Kniffen versucht sie dem Prinzen den sagenumwobenen Dolch abzuknöpfen. Als dieser aber entdeckt, dass man damit die Zeit zurückdrehen kann, ist bald klar, dass sie nur zusammen eine drohende Apokalypse verhindern können.


Prince of Persia - The Sands of Time basiert auf dem gleichnamigen Computerspiel von 1989, das vor gut sieben Jahren eine gefeierte Neuauflage nach sich zog und anschliessend sogar zur Serie ausgebaut wurde. Mit dem „Sand der Zeit“ hat man dem Prinzen im Spiel ein interessantes Feature spendiert.  Bei einer missratenen Jump'n'Run-Einlage kann man die Zeit zurückdrehen und den Sprung noch einmal neu probieren. Was im Spiel exzessiv betrieben wird, hält man im Film in Grenzen, auch wenn durch die blosse Anwesenheit des Dolches und dessen besondere Fähigkeit stellenweise das Spannungselement flöten geht. Wie es sich für den draufgängerischen Videospielhelden gehört, hat Dastan allerlei Tricks auf Lager. Nebst einem begnadeten Reiter und begabten Säbelrassler, ist er ein Meister des Parkour: es wird waghalsig gesprungen und riskant geklettert, an den Wänden gerannt, auf den höchsten Mauern balanciert und durch engste Öffnungen geschlüpft – David Belle lässt grüssen!


Die Geschichte von Prince of Persia taugt hingegen kaum etwas. Mechners Drehbuch ist seichte und durchschaubare Kost. Doch ganz ehrlich; das ist auch nicht weiter schlimm. Jerry Bruckheimer, Produzent der ungemein erfolgreichen Piratensaga, hat auch in diesem persischen Märchen seine Finger im Spiel und setzt dabei auf Bewährtes: Eine hanebüchene Story, ein tolles Schauspielerensemble, gewitzte Dialoge, ein bombastischer Soundtrack und ganz, ganz viel Action. Oberste Priorität ist die Unterhaltung und das klappt richtig gut! Zusammen mit seinem Regisseur Mike Newell, gelingt es Bruckheimer die erfolgreiche Fliessband-Formel auf das persische Dünenabenteuer zu übertragen. Witz und Humor ist genügend vorhanden und insbesondere die zahlreichen Actionszenen vermögen zu begeistern. Einzig gewisse Computeranimationen wirken ironischerweise ein wenig uninspiriert.


Im Vorfeld wurde oft die Wahl des Hauptdarstellers kritisiert. Jake Gyllenhaal sei eine ungeeignete Wahl als Prinz, so die einen; man vermisse das so bitter nötige Starpotential, sagten die anderen. Unsinn! Jake Gyllenhaal spielt seine Rolle souverän und mit viel Charme. Manch eine weibliche Zuschauerin wird verträumt den Kinosaal verlassen. Zwar hat Prinz Dastan nicht ganz das Format eines Jack Sparrow, aber Gyllenhaal überzeugt in seiner Rolle dennoch auf der ganzen Linie. Dies trifft auch auf die englische Schönheit Gemma Arterton (Quantum of Solace) und den Oscarpreisträger Ben Kingsley (Gandhi, House of Sand and Fog), der den niederträchtigen Onkel Nizam verkörpert, zu. Doch sie alle verblassen neben Alfred Molina (Spider-Man 2, An Education). Dessen Rolle als verwirrter Steuerflüchtling, der in der Wüste heimlich jeden Dienstag und Donnerstag Straussenrennen organisiert und sich seinen geliebten gefederten Tieren zuliebe auf Dastans Abenteuer einlässt, ist eine Wucht. Brillant!


Prince of Persia wird sicherlich ein finanzieller Erfolg. Verdientermassen. Bruckheimer kann aufatmen. Zwar stolpert man immer mal wieder über kleinere Logikfehler und Althistoriker mögen über die filmischen Darstellung Persiens öfter die Nase rümpfen, doch dies tut dem gelungenen Gesamteindruck keinen Abbruch. Einzig Harry Gregson-Williams' Soundtrack mag nicht zu überzeugen. Zu klischeebehaftet, zu orientalisch kommt dieser daher. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. Nebst Iron Man 2 steht somit bereits der zweite Sommerblockbuster in den Startlöchern. Prince of Persia kann für ganze zwei Stunden bestens unterhalten. Was will man mehr?

Groarr Bewertung:
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(3 Bewertungen)
20.05.10 Simon Reber Drucken E-Mail Kommentare [2]
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Kommentare
  • lelouch
    29.05.2010 um 01:32 Uhr

    Fands auch gelungen. Die Game-typischen Elemente haben sie dezent eingebaut und aus der Hintergrundgeschichte einen netten Abenteuerfilm gemacht.
    Und trotzdem denkt man ständig: ein dunkles Verlies mit Fakeln und Stachel-Platten wären witzig gewesen ^.^

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  • Princess P.
    28.05.2010 um 23:49 Uhr

    Endlich eine passable Game-Verfilmung. Ich kenne das Spiel seit 89 und habe die Trilogie komplett durchgespielt. Viele Elemente, die aus den Spielen vertraut sind (Kostüme, Bewegungsabläufe, usw.), wurden übernommen. Zu Gunsten Hollywoods wurden natürlich auch wichtige Aspekte weggelassen. Ist halt nicht das Orginal. Sehr weise, dass der Erfinder Jordan Mechner als massgebender Berater mit von der Partie war. Also, auch für die, welche das Spiel kennen, ein absoluter Kinospass.

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