The Book of Eli (2010) / USA
Regie: Albret Hughes, Allen Hughes
Drehbuch: Gary Whitta
Schauspieler: Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis, Ray Stevenson, Jennifer Beals, Evan Jones, Joe Pingue, Frances de la Tour, Michael Gambon, Tom Waits, Chris Browning, Richard Cetrone, Lateef Crowder, Don Tai, u.a.
Laufzeit: 118 Minuten
Start CH: 25.02.2010
Verleih: Ascot Elite
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God bless America von Sarah Stutte

Die Hughes-Brüder (From Hell) melden sich nach 8-jähriger Regieabstinenz mit einem Endzeitdrama zurück, dessen religiöse Belehrungsmetaphorik und amerikanischer Patriotismus zwar ganz schön nerven, das aber mit klasse Schauspielern, toller Optik und harten Actionszenen trumpfen kann.


Nachdem ein Blitz die Welt verbrannt hat, tummeln sich im Jahr 2044 auf dem Mutterplaneten nur noch drei Sorten von Menschen. Es gibt brutale Verbrecher, die andere Reisende überfallen, ausrauben, vergewaltigen und gar töten, um ihr Fleisch zu essen. Die Guten, die von Erstgenannten zwar nicht aufgeschlitzt, dafür aber von ihnen unterdrückt werden. Und dann ist da noch der schweigsame Einzelgänger Eli (Denzel Washington), der sich zwar verteidigt, wenn ihm jemand an die Gurgel will, der aber niemanden aus Hunger oder Habgier umbringen würde. Im Gegenteil. Eli befindet sich auf einer Mission. Er hat ein kostbares Buch dabei (ist nicht schwer zu erraten, um welche Lektüre es sich dabei handelt) und pilgert quer durchs Land, um es nach San Fransico zu bringen. Dort, wo einige Philosophen versuchen, Schriftstücke einer vergangenen Ära zu sammeln und zu bewahren, wähnt Eli das letzte Band seiner Art in Sicherheit. Gleichzeitig ist auch der skrupellose Stadthalter Carnegie (Gary Oldman) auf der Suche nach dem wertvollen Werk, weil er damit seine unterbelichteten Mannen wieder resozialisieren möchte. Natürlich nicht uneigennützig, sondern sich selbst an der Spitze sehend. Als er erfährt, dass Eli den Wälzer bei sich trägt, macht er mit seiner Bande gnadenlos Jagd auf ihn.

 

Mit From Hell lieferten Albert und Allen Hughes 2001 ihr Meisterstück ab. Der Film gilt nicht nur als ausgezeichnete Comicadaption, die Farben, die das ausgehende 19. Jahrhundert in all seiner Düsterkeit widerspiegeln sollte, waren in ihrer Dichte absolut stimmig, einzigartig und berauschend. Auch in The Book of Eli wird die bedrückende Atmosphäre wieder zum grossen Teil durch die Farbgebung gestaltet. In Grau- und Brauntönen, die zwar nicht immer einheitlich funktionieren, doch trotz allem den gewünschten Eindruck von Tristesse hinterlassen, ist die Landschaft gehalten, durch die der Held wandern muss. Der Beginn des Films, in dem es Asche vom Himmel regnet und man noch keine Spur von Leben ausmachen kann, ist dabei besonders eindrücklich. Doch auch die zerfallenen Häuser und Menschen, der Rost, Bauschutt und Müll überall, halten jederzeit die Szenerie aufrecht, die visuell deshalb sehr beeindruckend ist. Auch das Cast ist bis in die Nebenrollen stargespickt. Mila Kunis und Jennifer Beals sind was fürs Auge. Gary Oldman darf einmal mehr den fiesen Bösewicht spielen und macht dies einmal mehr überzeugend. Ray Stevenson (Punisher: War Zone) mimt den Anführer von Carnegie's Gang mit einem humanitären Touch. Tom Waits hat zwei witzige Szenen als Ingenieur und Michael Gambon macht als schiesswütiger Opi Laune. Das Beste zum Schluss: Malcom McDowell schaut auch noch schnell vorbei. Und Denzel Washington? Der hat als wortkarger Retter von dem man nicht viel erfährt, keine besonders dankbare Rolle. Die einzige nennenswerte Information, nämlich dass ihm eine Stimme befahl, auf Reisen zu gehen, hilft da auch nicht viel weiter. Sie lässt ihn dadurch eher ein bisschen irre, als ernstzunehmend wirken. Mit seiner Präsenz holt er aber das Beste aus seiner Figur heraus und überzeugt vor allem in den diversen Actionsequenzen. Diese kommen zum Teil sehr brutal und äusserst heftig daher, unterhalten gerade deswegen aber bestens. Erwähnenswert sind darüber hinaus die zahlreichen musikalischen Links. Eli hört Al Green's "How can you mend a broken Heart", zitiert den Text eines Johnny Cash Songs aus dem Album "Live at Folsom Prison" und irgendwo erklingt noch Ennio Morricones Soundtrack von Once Upon a Time in America. Der postapokalyptische Gemütszustand wird also hier immer wieder aufgegriffen.

 

Störend am Film ist zum Einen die Tatsache, dass der Held, der die Menscheit vorm Übel rettet, natürlich mal wieder ein Amerikaner ist. Für die ZuschauerInnen jenseits des Atlantiks mag dies das Normalste der Welt sein, für uns Europäer wirkt dieser Hang zum Grössenwahn eher befremdlich.   In Sachen Tiefgründigkeit kann The Book of Eli auch nicht punkten. Diese wird einerseits heraufbeschworen durch die objektive Religiosität der Story und deren Botschaft im Gepäck, das Sodom und Gomorrha-Volk wieder zu humanisieren. Die Gottesfürchtigkeit zeigt sich aber durchweg auch in Dialogen, dem Namen der Hauptfigur, dem Ziel der Reise (Stadt der Engel) etc. Leider ist das Ganze viel zu überfrachtet mit dieser spirituellen Symbolik und wirkt eher belehrend als nachdenklich stimmend, jedenfalls für die ZuschauerInnen, die nicht tagtäglich Bibel TV schauen. Und wer nun denkt, dass der ganze Pathos vielleicht nur ironisch gemeint ist, der muss an dieser Stelle leider enttäuscht werden. Im Presseheft und in diversen Interviews mit den Hughes-Brüdern, ist kein Hinweis darauf zu finden. Für Atheisten und Action-Fans ist diese Einstellung aber in jedem Fall zu empfehlen. Denn dann wird auch das allzu optimistische Ende erträglich, welches natürlich wieder in die Gesamtaussage passt, aber irgendwie nicht so recht zu einem Endzeitthriller. Hoffnung ist ja gut und schön, aber sicher ist der ultimative Glaube an Gott nicht der einzige Schlüssel dazu. Hinzu kommt, dass die gezeigte Gewalt, die ja auch der bibelfeste Christ Eli ohne Zaudern ausübt, nicht so ganz vereinbar ist mit den zehn Geboten. Oder hiess es da etwa nicht: Du sollst nicht töten? Wenn schon Werbung zur Rückbesinnung, dann aber richtig.
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25.02.10 Sarah Stutte Drucken E-Mail Kommentare [0]
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